Herzwärts
334 Tage und du wirst das Alter von einem Jahr nicht mehr erreichen, oder nur verwaist. Es wird weitergehen, woanders und anders. Neues Jahr, neues Blog.
shatzy_shell - 14. Jan, 16:52
Ich erzähle die Wahrheit gerne so, dass sie wie eine Lüge klingt. Z.B. als er mich dann das erste Mal anrief, ca. 10 Monate zu spät, da hab ich nicht abgenommen. Ich könnte mich dafür jetzt entschuldigen: "Es tut mir so leid, aber da konnte ich wirklich gerade nicht antworten, weil ich genau in dem Moment damit beschäftigt war in den Bus zu steigen, der mich in die Stadt bringen sollte, in der wir uns vor einem Jahr kennenlernten und von der du hoffst, dass ich sie wieder besuche um auch dich zu besuchen. Außerdem musste ich mich in diesem Moment, kurz bevor ich in den Bus einstieg, von meiner Oma verabschieden, die ich ja so selten sehe, vielleicht zwei Mal im Jahr und dann meist auch nicht lang, dieses Mal waren es bloß drei Stunden und in den letzten drei Minuten davon hast du gerade angerufen. Es tut mir so leid, aber da konnte ich nun wirklich nicht abnehmen." Gut zugegeben, da würde nicht alles stimmen, so direkt leid tut mir dieser Zusammenhang jetzt nicht, und daß ich in den folgenden Tagen mein Handy gerne mal liegengelassen habe, wenn wir weggegangen sind, um nicht erreichbar zu sein, das war auch kein Zufall. Die Wahrheit ist, dass ich niemanden gut behandeln werde, der mir gezeigt hat, wie genau man sich verhalten muss, wenn man jemanden links liegen lässt und dazu gehört z.B. nicht auf Anrufe antworten und nicht auf Skypenachrichten, kann ich jetzt auch.
shatzy_shell - 10. Jan, 17:50
So schlecht ist es hier nun wirklich nicht. Ich muss meine manische Phase hier mal festhalten um mich später wieder dran hochzuziehen. Ausgelöst ist sie von ein paar Wochen in denen vieles einfach funktioniert hat, Kurzurlaub, kleine Schritte in der Arbeit, regelmäßige Treffen mit kleinen Gruppen von Freunden, die mir endlich das Gefühl geben, zu wissen, wo ich hingehöre und wohin nicht. Dass ich mich nicht mehr am Rand fühle sondern auch mal dabei. Puh, klingt ganz so, als ist meine Stimmung mal wieder massiv fremdbeeinflußt. Oder ist es doch eher so, dass ich wußte, was ich will und mich damit durchsetzen konnte? Eigentlich egal, Hauptsache es ist nun so. Und es ist gut, wenn man eine Gruppe von passenden Menschen gefunden hat, das gibt einen auch die Kraft bei anderen die Augenbrauen zu heben, zu schlucken und sich abzuwenden und sich nicht aus Mangel an Alternativen da anzubiedern. Das ist übrigens kein aus der Luft gegriffenes Beispiel, sondern ein zeitnahes Erlebnis des ersten Ernstes meines Lebens. Und Ernste haben es sicher schwer im Leben, man wird ja grad dazu verleitet sofort einen Witz darüber zu machen („Ich bin Shatzy und nie Ernst“ - Schenkelklopfer) und so hat zumindest dieser Ernst sich anscheinend extra eine Aura zugelegt, die nur die Idee locker zu sein und Blödsinn zu erzählen im Keim erstickt. Drei Sätze hat es gebraucht und ich hab mich geschämt, diesen Menschen auf meiner Feier zu haben, hoffentlich fällt er nicht auf. Und dabei war er doch nur Anhang von jemand, die mir sonst schon eher durch nette Gespräche aufgefallen war. Die sind jetzt wohl vorbei, denn auch blöde Anhänge werde ich nicht über mich ergehen lassen und schon gar nicht, wenn sie diesen ernsten Anhang auch noch so anhimmelnd anschaut, während er seine überheblichen, kurzen Sätze an mich richtet, als wären sie Almosen, um die ich gebettelt hätte, Abfahrt, erniedrigen kann mich auch allein, wenn ich Lust dazu habe - hab ich aber nicht. Ich steh dazu, nicht mehr am Rand sondern auch mal im Mittelpunkt zu stehen und wenn es meine Party ist, dann werde ich nicht zulassen, dass jemand besser gekleidet sein sollte und werde auf Nummer sicher gehen mit Stiefelchen und rotem Glitzerkleid. An das wird sich jeder noch am nächsten Tag erinnern, spätestens, wenn er sich wundert, wieso seine Klamotten vom Vorabend so einen roten Schimmer haben. Keine Angst, ich komme auch gleich wieder herunter, von meinem Höhenflug, denn am Ende des Samstag abends (oder am Anfang des Sonntag morgens für Null-Uhr-beginnt-ein-neuer-Tag-Fetischisten) hatte ich noch das Gefühl, dass diese Situation wohl das Bild wird, das mir von meinem Wiendasein in Erinnerung bleiben wird, wie ich da sitze um zwei Uhr morgens allein zwischen diesen sechs wirklich netten Menschen, da ist wirklich nichts zu sagen, aber müssen es denn unbedingt drei über dreißig jährige Pärchen sein? Nein, sie sind nicht so schlimm wie
dreißigjährige Pärchen, aber zwei Uhr morgens verhalten sich alle Pärchen eben wie Pärchen, kann man ihnen ja auch nicht vorwerfen und es war eben dummerweise nichts dabei, was ich mit meinem Glitzeraufzug besonders beeindrucken wollte. Das ist das, was mir noch fehlt, auch dazu steh ich jetzt, das zu sagen.
shatzy_shell - 17. Nov, 19:25
Viel zu tun, viel zu leben, wenig zu sagen.
shatzy_shell - 7. Nov, 19:17
Vielleicht sollte ich anfangen auf Zeichen zu hören. Wenn in dem Moment, in dem man die Wohnung verlassen will, es anfängt zu Schütten als hat jemand den Atlantik ausgekippt und das Radio etwas von Element of Crime spielt, dann schreit es einem doch praktisch entgegen, dass man einfach drinbleiben soll um sich in eine Decke zu mummeln, Musik zu hören, zu lesen und den Sonntag nachmittag angemessen zu begehen.
Und ich hab es trotzdem nicht gehört.
shatzy_shell - 21. Sep, 15:19
Wenn man keinen Balkon, dafür aber eine Badewanne hat, so hat diese Wetteränderung wenigstens einen kleinen Vorteil. Endlich wieder aufwärmen und entspannen vom kalten Tag, aufgehen in der Einsamkeit mit bester Musik und versuchen zu vergessen - wenigstens für die halbe Stunde.
Edit: Doch nicht ganz so einsam

shatzy_shell - 15. Sep, 18:46
Sehnsucht ohne Ziel, das ist wie Appetit ohne zu wissen worauf. So viele Dinge passieren, so viele Gedanken werden gedacht und niemand, dem ich davon erzählen kann, nein nichtmal jemand, der sich das alles in meinen Träumen anhört. Niemand, der einen abends in die Arme nimmt, niemand der nachts von mir gewärmt wird. Niemand, der mich tröstet, wenn ich mich ungerecht behandelt fühle und niemand, der Erfolge mit mir teilt. Niemand mit dem man über vergangene Urlaube schwärmt und niemand mit dem man neue Pläne machen kann. Niemand mit dem ich die kulturellen Erlebnisse teile und niemand, der mir neue Dinge zeigt. Niemand, dessen Erfolge ich teilen kann und niemand, den ich tröste. Niemand, der mir von seinen Leben erzählt und niemand, der von mir träumt.
shatzy_shell - 1. Sep, 22:15
Ob in zwei Jahren, wenn ich dann mal seit einem Jahr irgendwo anders bin, ich auch die Freunde aus Wien treffen und vermissen werde und mich mit ihnen wohler fühlen werde als mit den Leuten aus dem aktuellem Ort? Okay, das ist ohne Einleitung schwer zu verstehen. Aber es gibt so ein paar, zwar wenige, aber doch ein paar Menschen, die nun verstreut in Deutschland leben und mit denen ich zu Studienzeiten vielleicht gar nicht sooo viel zu tun hatte, unter denen ich mich aber nun total wohl fühle, wenn ich sie mal treffe. Unter den Leuten aus Wien dagegen, habe ich immer das Gefühl, ich machen ihnen was vor, und mir auch, und passe nie richtig hinein, oder ich muss schauspielern, so wie
letzte Woche, wo ich den glücklichen Single raushängen lasse nur aus Trotz um der Gegenpol zum glücklichen Pärchen zu sein. Dieses Wochenende dagegen macht mir das Ausgehen mit einem Pärchen gar nichts aus, keine Machtspielchen, kein Neid, keine Anspielungen, bei denen man sich nicht sicher ist, wie sie gemeint sind. Aber vielleicht finde ich solche Menschen ja hier auch noch, irgendwann, kurz bevor ich gehe.
shatzy_shell - 23. Aug, 22:27
Gut, ich bin wissentlich allein mit einem Pärchen weggegangen, aber ich hab gedacht, so schlimm kanns doch nicht werden, die wissen doch wie es ist, so samstag abend allein, wenn alles worauf man hoffen kann eine nette Unterhaltung ist. Und zuerst lief es auch wirklich gut, man hat Neuigkeiten ausgetauscht, also wirklich nett. Dass der Kinofilm jetzt totaler Mist war, dafür konnte ja keiner was und das hat die Stimmung auch nicht beeinflußt, da wir uns einig waren über den Film. Aber dass wir dann ein weiteres Pärchen treffen mussten, das war schon hart. Also erst nicht, weil die sind das Paradebeispiel eines Pärchens, dem man es in der Öffentlichkeit nicht ansieht. Aber wenn man dann an der Seite sitzt und die Frauen anfangen über Frauensachen zu reden und die Männer anfangen über Computersachen zu reden und man genau weiß, dass dieses Ausgehen für sie nur das Alibi-Pärchen ausgehen ist und der schöne Teil erst nachher zu Hause losgeht, dann drückt das die Stimmung schon ein bissel. Dann muss man sich eben behaupten und das selbstständige Leben raushängen lassen, eh nicht so sehr, aber man weiß ja, dass sie drüber stehen und gern mal herabblicken auf das langweilige Singleleben. Aber dass sie dann beim Abschied auch noch eine fiese Anspielung ablassen, dass man jetzt mal schön unabhängig nach Hause laufen darf, während sie selbst in dem schönen großen silbernen Auto nach Hause gefahren werden, das war überflüssig. Oder nur dazu da um mich so zu fühlen, wie der Schmetterling, der gerade die Scheibe hier abflattert und bemerkt, dass sie zwar unsichtbar aber doch da ist und dass er nicht rein kann und nicht dazugehören wird. Niemals.
shatzy_shell - 17. Aug, 15:53
Es ist noch kein neues Jahr angebrochen, aber die Zeit ist immer reif für Herausforderungen. Gestern abend habe ich noch ganz motiviert meinen guten Vorsatz formuliert
"Mehr mit Menschen sprechen und weniger über sie."
Und heute ... heute stoße ich sofort an dieselben Kommunikationswände, auf die eingemauerten Menschen und erinnere mich wieder, wie ich mir doch schonmal den Kopf daran gestoßen habe und wie das weh getan hat.
shatzy_shell - 28. Jul, 13:51