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Unterwegs

Sonntag, 4. Januar 2009

Der stille Beobachter

„Den stillen Beobachter“ hat mich jemand am Vorabend der Reise genannt, aber er kannte mich gar nicht und konnte nicht wissen, wir richtig er lag. Viele Dinge habe ich den reichlichen zwei Wochen beobachtet.
Wie sich das U-Bahnverhalten der Berliner von denen der Wiener unterscheidet, zum Beispiel. Den Deutschen wird ja immer so Hektik und Pünktlichkeit hinterhergesagt, aber in der Berliner U-Bahn sah das ganz anders aus. Da ist der Zug eingefahren, dann ist man vielleicht mal aufgestanden nachdem die Türen ne halbe Minute offen standen und hat sich noch umgesehen, irgendwann als der Zugführer dann mal „Bitte einsteigen“ durchsagt hat man sich dann vielleicht auch mal in Bewegung Richtung Tür gesetzt. Nichts zu spüren von der Hektik an den Wiener Bahnen, wo sich die Leute schon beim Einfahren um die sich in ein paar Sekunden öffnenden Türen quetschen, die Insassen kaum raus lassen, obwohl das ja auch nicht zu vergleichen ist mit den Bussen, wo Omis unter dem Vorwand die könnten ja nicht so schnell immer die anderen Menschen von der Tür wegdrängen, egal ob die anderen aus dem Bus wirklich aussteigen wollen oder nicht.
Und beobachtet, wie sich wieder nichts verändert hat in der Kleinstadt, „die Zeit ist stehen geblieben“ bekommt eine greifbare Bedeutung.
Und beobachtet, wie Live-Musik auf Menschen wirkt, die ihr nicht so inflationär oft mit ihr in Berührung kommen wie ich. Plötzlich drehen sich Menschen rum, die sonst behaarlich die Wand anstarren, plötzlich füllen sich bisher ganz beherrschte Augen mit Tränen und plötzlich entsteht eine Verbundenheit.
Und beobachtet, wie sich jemand verhält, der den Eindruck erwecken will, es gehe ihm gut. Und trotzdem schweiften seine Gedanken immer davon, vermutlich zu seinen neuen Problemen und seinem neuen Leben, an denen er seine alten Freunde nicht teilhaben lassen wollte. Aber traurig, dass die gesprochenen Worte eigentlich gar nichts mehr galten, nur Hüllen waren, die das Beisammensein rechtfertigten um den anderen in seinem Verhalten zu beobachten.
Und beobachtet, wie sich Menschen wieder verändern bei neuen Beziehungen, wie sie sich wieder um sich kümmern und Pläne schmieden, nur positiv also, nur schade, dass der Ansporn von außen kommen muss.
Und und und ... irgendwann mehr.

Samstag, 13. Dezember 2008

Jetzt bleibt alles gleich

Keine zwei Silvester am selben Ort feiern war das ungeschriebene Gesetz der letzten Jahre. Nicht dass ich es bewußt verflogt hätte, doch im Nachhinein steht jeder Ort des Jahreswechsels schon irgendwie repräsentativ für mein Leben, die Menschen mit denen ich mich umgab usw. Und nun, dasselbe wie letztes Jahr, nun nicht genau dasselbe, aber ich erinnere mich noch gut an den Anfang dieses Jahres als ich das Gefühl hatte "Jetzt ändert sich alles", mich total neu fühlte. Und jetzt die Ernüchterung: nichts hat sich geändert, die Gefühle sind weg, 2. Versuch mit dem Jahresanfang in derselben Stadt, nicht mit genau denselben Menschen, immerhin. Irgendetwas zieht mich in meine Geburtsstadt, wenn ich nur wüßte, was es ist. Vielleicht einfach die Sehnsucht eine Stadt kennenzulernen, die im Ausweis steht obwohl man nie in ihr gelebt hat.

Freitag, 31. Oktober 2008

Abgeschnitten

Ich gebs zu, ich komme aus nem Kaff, man könnte es auch Kleinstadt nennen und in einer Kleinstadt aufzuwachsen, das ist so ungefähr das ödeste was einem passieren kann, da war auf dem Dorf mehr los, echt, und in der Großstadt sowieso. Aber was solls, irgendwann hab ich ja zum Glück studiert und bin von dort weggekommen und wenn mich nun jemand fragt, wo ich denn herkomme, dann kennen sie den Ort sogar manchmal, weil der ICE dort hält, wieso, das weiß keiner so genau. Aber noch mehr verwundert hat mich, dass es einen recht praktischen Direktzug von Wien gibt und damit hab ich dann auch immer angegeben, auch, weil Zugfahren ja eh viel toller ist als Fliegen (Flugzeuge, die ich nehme, sind IMMER verspätet) und über Nacht fahren ist eh das bequemste, was einem passieren kann, Zeitverlust durchs Reisen praktisch Null.
Jetzt wird der Zug eingestellt. Nicht, dass es mich wundern würde, es gibt statt dessen einen anderen Nachtzug, der meine Heimatstadt großräumig umfährt und jetzt so ganz objektiv sieht das total sinnvoll aus. Das heißt, in Zukunft 2 Tage mehr Urlaub nehmen fürs Heimfahren für nix und wieder nix.

Mittwoch, 18. Juni 2008

In Deutschland

... endlich. Wo alles geregelt abläuft. Oder man zumindest von zeitweiligen Unterbrechungen erfährt. Irgendwie. Und wo man nicht am selben Tag gesagt bekommt, dass man an diesem Tag den Nachtzug nehmen muss um zurückzukommen, nur um dann nachts um 11 allein am Bahnhof einer französischen Kleinstadt auf einen Zug zu warten, der nicht kommt. Neinnein, nicht ganz allein natürlich. Es gibt plötzlich nette junge Männer, die sich erkundigen, ob man denn weiß, wo man jetzt hingeht (Ja, Couchsufing und Handys sei Dank) und die sogar so besorgt sind, dass sie einem folgen, damit einem auch ja nichts passiert. Und dann gibt es natürlich noch die netten Bahnhofsangestellten, die einem den Zug am nächsten morgen um fünf Uhr empfehlen und einem auch folgen, da der andere nette junge Mann ja gefährlich ist und einen dann überreden wollen zum Bahnhof zurückzugehen. Gut, den Zug um fünf Uhr morgens gabs wirklich, die Pariser Metro ist auch gefahren und neben einigen Nerven hat mich der Umweg auch nur fünfundneunzig euro gekostet. Machts nichts. Hauptsache ich bin weg von dem Urlaubsort.

Sonntag, 15. Juni 2008

Die Tage gelernt

  1. Will man einen entspannten Urlaub, sollte man nicht couchsurfen.
  2. Es gibt Türen, die muss man durch Drehen des Ringes in der Mitte öffnen
  3. Das erste, was ein Franzose fragt, selbst wenn man vorher erfolgreich Emails auf englisch ausgetauscht hat ist "Do you speak French?" Und das selbst, wenn sich herausstellt, dass er fließend Deutsch spricht.
  4. Das Mittelmeer kann ganz schön kalt sein.
  5. Camille ist die französische Björk (zumindest, wenn es um exzentrische Auftritte geht).
  6. Auf Handys kann man sich nicht verlassen.
Edit: Was man niemals nie ueberhaupt nicht tun sollte, wenn man einen entspannten Urlaub haben will: Sich auf die franzoesische Bahn verlassen. Na ja, so sehe ich wenigstens Strassburg auch noch.

Shatzy: Guten Tag, ich habe hier dieses Ticket von Montpellier nach Strassburg morgen, haelt der Zug nicht auch in Sete?
(Zeit vergeht)
Bahnmensch: Wir haben eine gute und eine schlechte Nachricht fuer Sie. Die gute: Ja, der Zug haelt normalerweise in Sete. Die schlechte: morgen ist Streik, wollen Sie nicht heute fahren?

Okay, so hat das Gespraech natuerlich nicht stattgefunden, dass hab ich aus seinen Brocken Englisch und den Worten "demain greve mais aujourd hui" mal geschlossen.

Samstag, 29. März 2008

Zurück

Endlich zurück von einer Woche Rundreise mit 5 Stationen. Meine ganze Familie ist mir begegnet und einige Freunde. Es ist seltsam, wenn man manche Leute nur jedes viertel Jahr oder noch seltener sieht, man nimmt die Veränderung stufenweise und damit viel deutlicher war. Außerdem bemerkt man, was man alles nicht mitbekommt, wenn man nicht vor Ort ist. Hier eine neue Arbeit, eine neue Wohnung oder gleich eine überarbeitete Lebenseinstellung. Ich komme mir vor wie ein Beobachter, der in kurzer Zeit viele Menschen präsentiert bekommt. Sicher, ich interagiere auch mit ihnen, verbreite Informationen über mich, immer die selben in anderen Worten. Doch was nehme ich mit aus dieser Woche?
Erstmal das beruhigende Gefühl, dass es allen mehr oder weniger gut geht. Alle schienen zufrieden mit ihrem derzeitigen Leben, oder kam mir das nur so vor, weil ich grad etwas unzufrieden bin und diese Woche genutzt habe um dem Alltag zu entfliehen? Dem Alltag, der mich noch mit Alpträumen verfolgt hat.
Dann das zwiespältige Gefühl, dass alles viel leichter wäre, wenn man in der Gegend geblieben wäre. Natürlich, das Leben wäre einfacher, ich wäre wahrscheinlich zufriedener, aber ich wüßte es nicht zu schätzen.
Schließlich das seltsame Gefühl, wenn man von dem alten zu Hause ins neue zu Hause kommt. Man lässt die ganzen Leute, die einem wichtig sind wieder zurück und findet sich in seiner kleinen eigenen Wohnung wieder. Der Weg vom Zug zur U-bahn und von dort nach Hause kann man blind gehen, oder der Nase nach, denn meine Straße richt wieder mal nach Seife, da der kleine sympathische Seifenladen heute anscheinend wieder produziert.
Die nächste Reise ist schon geplant - in einem viertel Jahr.

Freitag, 15. Februar 2008

England im Winter

Da spaziert man doch nichtsahnend durch das Städtchen und der Weg endet ... my only friend ...
Cambridge bei Nacht


Kann sich der Herzmensch gegen den Kopfmensch behaupten?

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